Freigabe der Katalogdaten: Kölner Bibliotheken leisten Pionierarbeit

Köln. Die Universitäts- und Stadtbibliothek Köln hat ihre bibliographischen Daten für die Allgemeinheit geöffnet. Damit kann jeder die Daten herunterladen, modifizieren und für beliebige Zwecke nutzen.

Aus der Presseerklärung:

Kölner Bibliotheken und das Landesbibliothekszentrum Rheinland-Pfalz (LBZ) setzen in Kooperation mit dem Hochschulbibliothekszentrum des Landes Nordrhein-Westfalen (hbz) als erste in Deutschland den Open-Access-Gedanken auch für bibliographische Daten um.

Bibliotheken engagieren sich schon lange in der Open-Access-Bewegung. Ziel dieses Engagements ist es, Wissen für jedermann frei zugänglich im Internet bereitzustellen. Bisher sind allerdings erst wenige Bibliotheken mit ihren eigenen Daten in dieser Weise verfahren. “Bibliotheken begrüßen die Open-Access-Bewegung, weil sie sich selbst dem Ziel verpflichtet fühlen, den Zugang zu Wissen möglichst ohne Schranken allen Bürgern zu ermöglichen. Der Zugang zu den eigenen Daten, also die Anwendung der Open-Access-Idee auf die eigenen Produkte blieb jedoch außer Acht. Bisher hatte niemand die Möglichkeit, Bibliothekskataloge als Ganzes herunterzuladen und zu nutzen. Dies wird nun möglich. Das ist ein erster Schritt, um die weltweite Sichtbarkeit von Bibliotheksbeständen im Internet zu erreichen“, erläutert Rolf Thiele, stellvertretender Direktor der USB Köln. Die Bibliothek des Kernforschungszentrums CERN veröffentlichte ihre Daten bereits im Januar unter einer sogenannten Public-Domain-Lizenz.

Öffentliche Daten werden gemeinfrei
Durch eine Freigabe der Daten wird es jedem möglich, die Daten herunterzuladen, zu modifizieren und für beliebige Zwecke zu nutzen. “Gerade in Zeiten, in denen Verlage und auch manche bibliothekarische Organisationen die Daten in erster Linie als Geldquelle sehen, gilt es den traditionellen Auftrag von Bibliotheken, Bibliothekarinnen und Bibliothekaren wieder stark zu machen. Bibliotheken verfolgen seit jeher das Ziel, große Mengen von Wissen möglichst vielen Menschen unter möglichst wenig Beschränkungen bereitzustellen”, so Silke Schomburg, stellvertretende Direktorin des hbz. “Zudem werden Bibliotheken aus öffentlichen Geldern finanziert. Und was die Öffentlichkeit bezahlt hat, sollte ihr auch uneingeschränkt zur Verfügung stehen.”

Kooperation und der Austausch von Daten unter Bibliotheken sind schon seit mehr als hundert Jahren feste Größen in der Bibliothekswelt. Eine freie Bereitstellung bibliographischer Daten soll nicht nur die Kooperation innerhalb des Bibliothekswesens weiter befördern, sondern ermöglicht auch die Nachnutzung der Daten durch nichtbibliothekarische Institutionen. “Mit der Entwicklung des Internets hat sich gezeigt, dass viele Internetdienste ihre Angebote durch die Nutzung von Katalogdaten enorm verbessern könnten. Die deutschsprachige Variante der Internetenzyklopädie Wikipedia etwa wird schon seit langem mit Daten der Deutschen Nationalbibliothek angereichert. Die Anreicherung wird aber häufig durch den halboffenen Charakter der Daten erschwert und eingeschränkt”, bemerkt Schomburg.

Freie Daten für das Semantic Web
Das Hochschulbibliothekszentrum des Landes Nordrhein-Westfalen befasst sich seit einiger Zeit damit, die Daten von Bibliothekskatalogen so umzuwandeln, dass sie Teil des in der Entstehung begriffenen Semantic Web werden. Die Freigabe bibliographischer Daten schafft nun die nötige rechtliche Grundlage, um diesen Umwandlungsprozess kooperativ, offen und transparent anzugehen. Auch mit anderen Bibliotheken des hbz-Bibliotheksverbundes werden bereits Gespräche über eine Datenfreigabe geführt. Zudem erhalten die Themen „Freie Daten“ und „Semantic Web“ in der internationalen Bibliothekswelt zunehmende Resonanz.

Weitere Informationen und Links zu den freigegebenen Daten finden sich unter http://www.hbz-nrw.de/projekte/linked_open_data/

Ein weitere Beitrag zum Thema findet sich auch auf heise.de: Open Access: Bibliotheken geben Katalogdaten frei

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