INKOTA- Dossier: Gemeingüter in Nord und Süd

Hier gibt’s ein neues Gemeingüterdossier. Das entwicklungspolitische Netzwerk INKOTA hat sich dem Thema gewidmet und eine Artikelsammlung mit Beiträgen aus 4 Kontinenten zusammen gestellt. Gute Einführung aus Nord und Südperspektive! Nicht nur für die entwicklungspolitische community, sondern für alle.

Aus der Einleitung:

…Gemeingüter (engl. Commons) sind aber auch im Aufwind. Denn je mehr der neoliberale Kapitalismus seine Schwächen zeigt und Krisen erzeugt, die Millionen von Menschen in Not und Elend stürzen, umso dringender wird die Suche nach Alternativen. Wie so oft lohnt sich ein genauerer Blick in den Globalen Süden, wo Gemeingüter bis heute eine große Bedeutung haben, wo zugleich aber auch intensiv nach Alternativen zum traditionellen Modell nachholender Entwicklung gesucht wird

Der INKOTA-Brief 153 „Die Renaissance der Gemeingüter“ gibt einen Einblick in die gegenwärtige Diksussion zu den Commons. Er hat 48 Seiten und kostet 3,50 Euro plus Versandkosten. Den Schwerpunkt dieses INKOTA-Briefs 153 gibt es parallel als INKOTA-Dossier 8 (28 Seiten, 2,50 Euro plus Versandkosten).

Aus dem Inhalt:

Das Heft kann man für 3,50 + Versand hier bestellen.

Mapping the Commons: von Mundraub und Solidarischer Ökonomie

Vivir bien hat KriSU Gruppe aus Österreich diese Plattform genannt. Es geht also ums gute Leben. Im Wiki (Prototyp) werden “Initiativen und Strukturen, die abseits kapitalistischer Gewinnlogik existieren.” erfasst. “Aktivitäten mit verschiedenen theoretischen Hintergründen und Labels bekommen hier eine Plattform.”

Das Ziel ist “eine Vernetzung solcher Ressourcen für nicht-kapitalistische Lebens- und Produktionsweisen. Dies ist für eine Alternative zum Kapitalismus nötig.”, so die Macher.

Solche Mapping-Projekte haben Konjunktur. Ein schönes Beispiel dafür ist die Mundraub – Plattform. Da haben sich ein paar Studenten gefragt, wie man eigentlich dafür sorgen kann, dass das Obst der Allmende nicht immer am Baum vergammelt und nun hat sie nicht nur die Mappingdynamik, sondern auch das publizistische Interesse eingeholt.

Und das ist die Philosophie dahinter:

Wahre Mundräuber…

1. gehen behutsam mit den Bäumen, der umgebenden Natur und den dort lebenden Tieren um
2. lassen beim leisesten Zweifel über die Freigabe eines Baumes die Finger von den Früchtchen,
3. und haben Freude daran, dem fruchtigen Ort etwas zurückzuschenken – sei es einfach durch ein gutes Gespräch rund um kostbares Obst, einen Besuch im nahegelegenen Hofladen oder Café oder sogar durch ein Engagement bei der Pflege von Obstbäumen.

Zur Nachahmung empfohlen.

Transition Towns in Deutschland

Gestern schrieb mir ein Kollege, der an der Umwelttagung des Aspen Instituts teilgenommen hatte, dass die Umweltelite der USA bis zu dieser Konferenz noch nichts (!) von den Transition Towns gehört hatte. Ähnlich erging es mir bei einer Fachtagung über Landwirtschaft vergangene Woche. Ich kam mit dem Eindruck zurück, die entwicklungspolitische Elite unseres Landes schaut kaum darauf, dass Landwirtschaft in der Welt mehr ist als Markt und Staat. “There is a total disconnect”, resümiert der Kollege.

Da ist die Mitteldeutsche Zeitung schon weiter. Hier berichtet Günter Kowa über die Transition Towns in Deutschland. Dabei nimmt er uns mit ins Jahr 2015, für das er sich allein 50 Transition Town Initiativen in Sachsen-Anhalt vorstellt. Transition wohin? In ein Leben ohne Erdöl in den Städten der Moderne!

Das ist nicht nur Zukunftsmusik, sondern ein Stück gelebte Realität. Die Transition Town Bewegung ist noch sehr jung noch, aber sehr dynamisch. In Deutschland verzeichnet die Wikipedia 6 Initiativen. In England, von dort, genauer von Totnes, geht die Bewegung aus, sind es ein paar mehr. 170, schreibt die Mitteldeutsche Zeitung. Lesenswert das Blog von Transition Town Gründer Rob Hopkins (dem Daueroptimisten).

“Die Dynamik der Bewegung erklärt sich aus dem Zweifel, dass von Regierungen keine Lösungen drängender Zukunftsfragen zu erwarten sind. “Man muss wieder auf ‘die lokale Gemeinschaft vertrauen’, sagt Vordenker Hopkins. Erst recht, so scheint es, im Kontext der schrumpfenden Städte und Regionen, für die die kreative Energie ihrer Bürger vielleicht die letzte Rettung ist.”

Kowa stellt die bottom-up Bewegung für den Übergang in ein Postfossiles Zeitalter der top-down Vorstellung von Partizipation und dem von der Verwaltung “professionell gecoachtem Bürger” gegenüber, so wie sie sich in der derzeit laufenden Internationalen Bauausstellung (IBA) manifestiert. Gelungenes Stück!

GLS Treuhand: Gemeingüter – Zukunft, die wir wollen

Die GLS Treuhand, Motto:

“Die Angst vor einer Zukunft, die wir fürchten, können wir nur überwinden durch Bilder von einer Zukunft, die wir wollen” (Willhelm Ernst Barkhoff),

bringt auf ihrer Website eine kleine Einführung in die Diskussion um Gemeingüter:

Lewis Hyde: Common as air

In der New York Times rezensiert Robert Darnton Lewis Hydes jüngstes Buch “Gemein wie die Luft – Revolution, Kunst und Eigentum”.

“The history that Hyde invokes goes back to the Middle Ages, when vil­lagers enjoyed collective rights to common lands, but for the most part it is situated in the era of the founding fathers. Hyde invokes the founders in order to warn us against a new enclosure movement, one that would fence off large sectors of the public domain — in science, the arts, literature, and the entire world of knowledge — in order to exploit monopolies.

He cites plenty of examples from Hollywood, the pharmaceutical industry, agribusiness, and the swarm of lobbyists who transform public knowledge into private preserves by manipulating laws for the protection of intellectual property. Then he draws on Franklin, Adams, Jefferson and Madison for arguments against such privatization.”

Für jene, die James Boyle’s, David Bollier’s oder Lawrence Lessig’s Arbeiten kennen, oder die sich mit den jüngsten Entwicklungen im Bereich Genmanipulation auseinandersetzen, gibt es vielleicht nicht viel Neues, aber es wird neu erzählt. Nicht von  Wissensschaftlern oder Juristen, sondern von einem Erzähler. Hydes Buch ist auch ein starkes Plädoyer für all die Projekte und Initiativen, die sich für die Wissensallmende und Freie Kultur einsetzen.

Hyde beschreibt die Motivationen von Geistesgrößen der Vergangenheit und Gegenwart zur kulturellen Allmende beizutragen als das, was es ist: Als Haltung.

Bleibt zu hoffen, dass das Buch bald übersetzt wird. Hydes Werk “Die Gabe – Wie Kreativität die Welt bereichert” hat der Fischer Verlag 17 Jahre nach Erscheinen des Originals (!) herausgegeben. Vielleicht geht es dieses Mal schneller, denn das Beste an Hyde ist:

“He builds his argument by telling stories, and he tells them well.”

 
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